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Zwei weitere Tote als Opfer rechter Gewalt anerkannt – Innenministerium nähert sich langsam der Realität an

Zur nachträglichen Anerkennung zweier in Sachsen getöteter Menschen als Opfer rechter Gewalt erklärt Kerstin Köditz, Sprecherin für antifaschistische Politik der Fraktion DIE LINKE:

Der Innenminister hat mit Achmed Bachir und Patrick Thürmer zwei weitere Ermordete als Opfer rechter Gewalt eingestuft. Elf bzw. fünfzehn Jahren nach den Taten widerfährt ihnen späte Gerechtigkeit. Innenminister Ulbig nähert sich langsam und mühsam der Realität an. Die Genugtuung darüber hat einen bitteren Beigeschmack. So kann ich nur mit Unverständnis registrieren, dass bisher zu den Einstufungen die Urteile der Gerichte nicht beigezogen worden sind, sondern man sich nur auf die Einschätzung des Kriminalpolizeilichen Meldedienstes verlassen hat. Ich gehe davon aus, dass diese fatale Praxis künftig verändert wird.

Es bleiben weitere fünf Tote, bei denen sehr starke Indizien dafür sprechen, dass ebenfalls neonazistische oder rassistische Motive zu der Tat geführt haben und die das Innenministerium bisher anders beurteilt. Ich bedauere es besonders, dass die Staatsregierung sich nicht dazu durchringen konnte, Tote aus der Reihe der ohnehin besonders Benachteiligten, der Obdachlosen, neu einzustufen. Gerade der aktuell in Leipzig verhandelte Fall um den in Oschatz ermordeten André K. zeigt, dass die Tatbeteiligung zumindest eines bekannten Neonazis mit der Abwertung sozial Randständiger als „lebensunwert“ zusammenhängt. Wir werden als LINKE darum kämpfen, dass auch diese Menschen als Opfer rechter Gewalt eingestuft werden.

Zum Tathergang in den beiden Fällen (nach den Opferlisten im „Tagesspiegel“): Der 30-jährige Asylbewerber Achmed Bachir wird am 23. November 1996 in Leipzig vor einem Gemüsegeschäft erstochen. Er will deutschen Kolleginnen beistehen, die von zwei Skinheads attackiert und als „Türkenschlampen“ beschimpft werden. Als der Syrer die Randalierer aus dem Laden drängt, sticht ihm der 20-jährige Daniel Z. mit einem Messer ins Herz. Trotz der von Verkäuferinnen bezeugten rassistischen Drohungen kann die Staatsanwaltschaft „keinen ausländerfeindlichen Hass“ erkennen. Im November 1997 verurteilt das Landgericht Leipzig Daniel Z. wegen Mordes und schwerer Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von neuneinhalb Jahren. – Der 17-jährige Patrick Thürmer wird gemeinsam mit einem Freund in der Nacht des 3. Oktober 1999 auf dem Heimweg von einem Punkfestival in Hohenstein-Ernstthal (Sachsen) von drei Männern überfallen, die mit ihrem Auto Jagd auf Punks machen. Mit einem Axtstil und einem Billardqueue fügen sie dem schmächtigen, 1 Meter 56 großen Malerlehrling tödliche Kopfverletzungen zu. Vorausgegangen war ein Angriff von drei Dutzend Naziskins auf das Punkfestival und ein Gegenangriff von Punks auf eine Diskothek im Ort, in der sie die rechten Schläger vermuteten. Der Malerlehrling Patrick Thürmer starb „stellvertretend für jene Linken“, die an dem Angriff auf die Diskothek beteiligt gewesen seien, stellt das Landgericht Chemnitz im September 2000 fest. Einen rechtsextremen Hintergrund erkennt das Gericht dennoch nicht. Der 23-jährige Haupttäter wird wegen Totschlags zu elf Jahren Haft verurteilt.

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Würdiges Gedenken an die Opfer rechter Gewalt

Improvisiertes Gedenktafal an Opfer rechter Gewalt
Demonstration in Hohenstein-Ernstthal verlief wie erwartet friedlich. Die Anschludigungen der Stadt Hohenstein-E. erwiesen sich damit als haltlos. Über 200 Menschen gedachten am Samstag Patrick T. und all den anderen Opfern rechter Gewalt. (mehr…)

02. Oktober Mahnwache in Oberlungwitz

Pressemitteilung des Bündnis: „Erinnern, nachdenken, handeln. Mit Courage gegen Rechts.“

Gegen 15 Uhr versammelten sich die ersten Menschen, um an die Ermordung Patricks vor 10 Jahren zu gedenken. Mit einem Transparent und zwei Schildern wurden die verbeifahrenden Passant_innen auf die Thematik aufmerksam gemacht. Ebenfalls wurden Flyer für die Demo am 03.10. um 14. Uhr am Bahnhof in Hohenstein/E. verteilt und zum Teil bereitwillig entgegengenommen.

Unterstützt wurden wir auch durch Patricks Familie und der RAA Chemnitz.
Weder die Stadt Oberlungwitz noch Hohenstein/E. haben die Mahnwache unterstützt. Lediglich ein Oberlungwitzer hielt an und sprach uns seine Sympathie aus. Vermutlich die gleichen Anwohner_innen, die damals die Schreie Patricks für Bauarbeiten hielten, beobachteten uns mit Missgunst.

Die unmittelbar am Tatort und im Unfeld des Hohensteiner Bahnhofs vermutlich von Nazis angebrachten Plakate auf denen „Antifagruppen zerschlagen“ steht, sehen wir klar als neonazistischen Akt gegen unsere Aktionen am 02. und 03. Oktober.

In Gedenken an die Opfer rechter Gewalt

Pressemitteilung des Bündnis:

Das Bündnis „Erinnern, nachdenken, handeln. Mit Courage gegen Rechts.“ stößt auf eine unerwartete Unterstützungswelle anlässlich des Gedenkens des vor zehn Jahren durch Nazis ermordeten Patrick T. Unterstützung ist dabei nicht selbstverständlich, wie die Reaktionen der Stadt Hohenstein-E. bis heute zeigen. (mehr…)

Zu den Auflagen

Für die Kundgebung am 02.10. und Demonstration am 03.10. gelten folgende Auflagen:

Er herrscht ein Alkoholverbot. Glasflaschen sind außerhalb der Demonstration/Kundgebung abzustellen. Waffen oder sonstige Gegenstände die zur Verletzung von Personen dienen sind verboten. Es sind keine Hunde und Fahrräder erlaubt. Des Weiteren ist das Tragen von Springerstiefeln und Bomberjacken in der Gruppe nicht erlaubt.

Gegen die Versammlungsbescheide wird/wurde Einspruch eingelegt. Mir größeren Änderungen ist aber nicht mehr zu rechnen. Es werden Vorkontrollen stattfinden, daher achtet vorher darauf, dass ihr „Waffen“ wie Plastikgabeln, Schraubenzieher oder Kinderscheren auspackt. Ordner_innen werden vor den eigentlichen Vorkontrollen Stellung nehmen und euch schon einmal darüber informieren was ihr mitnehmen dürft und was nicht.

Was wir auf diesen Veranstaltungen nicht sehen bzw. hören möchten:

Keine Angetrunkenen bzw. Alkohol-trinkenden Menschen – dies ist ein trauriger Anlass! Wenn ihr daher Alkohol zu euch nehmen wollt, dann entweder außerhalb der Demonstration/Kundgebung bzw. danach.

Wir als Vorbereitungskreis möchten keine chauvinistischen, sexistischen oder sonstigen diskriminierenden Rufe hören. Hier ist kein Platz dafür.

03. Oktober Hohenstein/E. – Erinnern, nachdenken, handeln.

Mahnwache und Demonstration zum Gedenken an Patrik T. – Todesopfer rechter Gewalt in Oberlungwitz

Pressemitteilung der RAA Sachsen e.V.

Am 2.Oktober 1999 wurde Patrik T. auf dem Heimweg von zwei Neonazis so brutal zusammengeschlagen, dass er an den Folgen der schweren Verletzungen verstarb. Zur Erinnerung an diese Tat sowie aller Opfer rechter Gewalt finden am Wochenende in Hohenstein-Ernstthal Gedenkveranstaltungen statt.
Freitag, 02.10., 15.00, Oberlungwitz
Samstag, 03.10., 14:00, Hohenstein-.E.

Zu diesen Veranstaltungen ruft das Bündnis „erinnern:nachdenken:handeln“ auf. Die Opferberatung unterstützt dieses Bündnis. Die Forderung der Bündnismitglieder ist ein Mahnmal. „Rechtsextremismus etabliert sich dort, wo die Demokratie zu leise ist. Eine entsprechende Erinnerungskultur gedenkt den Opfern. Darüber hinaus erinnert sie an die Aktualität rechter Gewalt und ruft zur Aktivität gegen Rechtsextremismus auf“ so Andre Löscher von der Opferberatung. Dass das Thema rechtsmotivierte Angriffe kein Gespenst ist, sondern auch in der Gegenwart stattfindet, zeigen die bisherigen Vorfälle, die der Opferberatung, RAA Sachsen e. V. in diesem Jahr bekannt wurden. Die Opferberatung registriert im nur 10 km von Hohenstein-Ernstthal entfernten Limbach-Oberfrohna und auch im nahe gelegenen Zwickau ein Vielzahl rechter und rassistischer Angriffe. (mehr…)

Unterstützung durch NDC-Netzstelle Chemnitz

Zur Begründung der Unterstützung:

Hallo liebe Bündnispartner_innen,

als NDC-Netzstelle Chemnitz sagen wir hiermit die Unterstützung des Bündnisses „Erinnern, nachdenken, handeln. Mit Courage gegen Rechts. “ zu. Wir stehen hinter dem Anliegen der Initiator_innen, einen Ort für die Erinnerung an Patrick und alle anderen Todesopfer rechter Gewalt zu schaffen. (mehr…)

Stadt Hohenstein-E. verhindert Denkmal für Opfer von rechter Gewalt

Pressemitteilung des Bündnis zur aktuellen Entwicklung:

Am zweiten Oktober jährt sich zum zehnten Male die Ermordung von Patrick T durch Nazis in Oberlungwitz. In Hohenstein-E. entwickelte sich damals der Konflikt, welcher zur Tötung führte. Ende August hatte sich ein Bündnis gegründet, welches sich zum Ziel gesetzt hat ein Denkmal zu errichten. Es sollte zur Erinnerung an Patrick und zur Mahnung daran dienen, dass solch eine Tat nie wieder geschehen darf. Der Vorschlag des Bündnis es in Hohenstein-E. zu errichten wurde von der Stadt abgelehnt.
Die persönliche Haltung des jetzigen Oberbürgermeisters E. Homilius, der schon vor zehn Jahren dieses Amt inne hatte, spielt bei der Verhinderung eine maßgebliche Rolle.
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