Archiv Seite 2

Antifa-Mobiflyer

Solikonzert am 19. September

Zur unanbeatbar hier!

Wir bedanken uns bereits im Voraus für die Unterstützung!

Erinnern, nachdenken, handeln. Mit Courage gegen Rechts.


Aufruf zur Demonstration am 03.10.2009 in Hohenstein-E. zum Gedenken an Patrick 02.02.1982-02.10.1999 und allen Opfern rechter Gewalt.


„Einige Jugendliche, die sich nicht der rechten Szene in Limbach anschließen wollen, werden seit über einem Jahr von rechts orientierten Jugendlichen bedroht und zum Teil auch körperlich verletzt“

Manuela Weis in Freie Presse / Chemnitz – 21.10.2008

„Opferberatung: Mehr rechtsextreme Angriffe
Verein registriert im Mai zunehmende Neonazi-Übergriffe zwischen Brand-Erbisdorf und Zwickau – Jugendlicher mit Eisenstange schwer verletzt“

Freie Presse / Freiberg – 19.6.2009

Immer wieder erscheinen solche oder ähnliche Meldungen täglich in den Zeitungen und zeigen die konkrete Ausprägung des menschenverachtenden Weltbildes von Nazis. Leider verblassen im Angesicht dieser täglichen Meldungen die Erinnerungen über Taten, die ganz in der Nähe passiert sind. So jährt sich am 2. Oktober diesen Jahres die Ermordung von Patrick in Oberlungwitz.
Wir möchten mit diesem Bündnis erreichen, dass die Erinnerung an ein Opfer von Nazigewalt nicht weiter in Vergessenheit gerät.

Doch was war im Oktober 1999 passiert?

Am 1.Oktober sollte im Jugendclub „Off is“ das „Zweite 99er Punkterfestival“ in Hohenstein/E. stattfinden. Es war schon des Öfteren zu Drohungen und Übergriffen von bekennenden Nazis gekommen, die sich meist in der gegenüber liegenden Diskothek „La belle“ trafen. Gleiches geschah auch an diesem Tag.
Doch unbeirrt fing das Konzert dann an und die Besucher_innen pogten ausgelassen. Gegen 23:00 sollten dann „Los Invalidos“ spielen. Eine Band, die vor ihnen gespielt hatte, war gerade auf dem Weg nach Hause und Mitglieder dieser bemerkten einen Nazi-Mob, kommend aus Richtung Bahnhof. Sie riefen mehrmals die Polizei. Das Publikum tanzte nichts ahnend weiter. Vor dem „Off is“ fingen die Nazis an, mit Schlagstöcken und Baseballschlägern bewaffnet, Besucher_innen zu attackieren. Ergebnis war, dass 15 Punker_innen ins Krankenhaus mussten und die Polizei viel zu spät ankam. Als die Beamt_innen vor Ort waren, behandelten sie die Punks, die sie über das Geschehen informierten, abfällig und nahmen zur Überraschung der Besucher_innen erst einmal alle in Gewahrsam, nachdem die Nazis schon abgezogen waren. Nach etwa einer Stunde wurden die Festgenommen nach und nach wieder freigelassen und wurden weiterhin von Nazis bedroht, welche sich nach wie vor in der Nähe aufhielten.
Patrick und sein Freund gingen gegen 3:30 Uhr zu Fuß nach Hause. Auf dem Weg durch Oberlungwitz wurden sie dann angegriffen. Michael O. und Thomas W. prügelten minutenlang auf ihn ein. Auch Nico M. soll auf Patrick mit eingeschlagen haben. Um auszuschließen, dass ihr Opfer simulierte, zertrümmerten die Täter mit einem Billardqueue seine Kniescheibe. Patrick hatte keine Chance und schrie vor Schmerzen. Anwohner_innen sagten später aus, sie hätten die Schreie für Bauarbeiten gehalten.
Patrick hatte noch versucht zur Straße zu kriechen, nachdem seine Peiniger von ihm abgelassen hatten. Mit schweren Verletzungen, die im Prozess 17 Zeilen brauchten um aufgezählt zu werden, schleppte er sich noch ein paar Meter. Er wurde am Morgen gegen 7:15 Uhr gefunden und ins nächste Krankenhaus geflogen, wo er in den Mittagsstunden seinen schweren Verletzungen erlag.
Die Täter: Nico N. (24) tätig bei der Chemnitzer „Haller-Security“ mit offenbaren Kontakten zur berüchtigten Gruppierung „HoNaRa“ (HooligansNazisRassisten); Michael O. (23), laut psychologischem Gutachten der Bundeswehr „auffällig wegen aggressivem und gewalttätigem Verhalten“, wurde wegen „Anpassungsstörungen“ vorzeitig aus dem Wehrdienst entlassen;
Thomas W. (21) ein durchtrainierter 90 Kilo Mann mit Alkohol –und Drogenproblemen. Alle standen in Verbindung mit der Chemnitzer „Haller-Security“, welche aber von Inhaber Thomas Haller vehement abgestritten wurde.

Die Reaktionen auf Taten mit neonazistischem Hintergrund, ob gewalttätig oder nicht, sind zwar oft von Empörungen gekennzeichnet, aber in den meisten Fällen findet weder eine tiefgreifende Beschäftigung mit den Umständen, noch mit den menschenverachtenden Ideologien, die dahinter stecken, statt. Gerne wird dann auf lokale Aktionspläne gegen Rechts oder auf Vereine gegen sogenannten „Rechtsextremismus“ verwiesen. An der eigentlichen Situation – ein Klima welches neonazistische Ideologien begünstigt – ändert sich nichts.
Im Gegenteil! Aus dem vorherigen Klima der Verteidigung wird ein feindliches Klima gegenüber Personen, die auf ein Nazi-Problem hinweisen oder von diesem betroffen sind. So zeigt es sich auch am Beispiel des „Off is“. In vielen Statements zum Vorfall wurde sich gegen weitere Punk-Konzerte ausgesprochen.
Die in den Raum geworfene Schuldzuweisungen an die Opfer, sie würden durch ihre Existenz die Übergriffe provozieren, zeugen von einer zutiefst menschenverachtenden Denkweise, die weit entfernt ist von einem allgemeinen Konsens über die Unversehrtheit der Menschen.
Alternative Jugendkulturen im ländlichen Raum sind durch ihr öffentliches Auftreten prädestiniert für solche Schuldzuweisungen, da sie meist als ein störender Faktor im Stadtbild wahrgenommen werden. Diese bilden aber gerade durch ihre Existenz einen wichtigen Zufluchtspunkt für Menschen, die sich nicht einem immer größer werdenden rechten Mainstream anschließen möchten und lieber ihren eigenen Lebensweg beschreiten wollen. Meist ist nach einer solchen Auseinandersetzung von einer derartigen Jugendkultur nicht mehr viel übrig. Geplagt durch Angriffe und Schuldzuweisungen löst sich somit ein weiterer Anknüpfungspunkt für junge Menschen im Ort zu bleiben auf und es bleibt nur eine Hegemonie einer rechten Jugendkultur übrig. In Hohenstein verhielt es sich ähnlich. Das „La belle“ bestand weiterhin und bot seinem rechten Publikum einen Raum. So organisierte der mittlerweile verstorben Nazi Rico Malt (ein wichtiger Akteur bei der HoNaRa) im Jahr 2005 ein Konzert mit bekannten Größen der Nazi-Musik-Szene „Blitzkrieg“ und „Final War“. Kurz darauf schloss dann das „La belle“.
Kommt es nun zu dem seltenen Fall des Verbots einer Nazigruppe, zeigt sich auf lange Sicht keine Besserung der Lage. Die Rädelsführer kommen nach meist verhältnismäßig geringen Haftstrafen aus dem Gefängnis und bilden weiterhin einen festen Bestandteil der lokalen rechten Szene. Der Terror auf der Straße bleibt daher der Gleiche.

Aus den Zahlen über rechte Gewalt und der Art und Weise wie damit umgegangen wird, ergibt sich gerade für den ländlichen Raum ein erschreckendes Bild. Gegenstrategien für diese Gebiete müssen entwickelt werden und müssen aber auch auf eine tragfähige Mehrheit in der Bevölkerung stoßen. Ohne dies wird sich der Terror für die Betroffenen weiter fortsetzen und weitere Todesopfer fordern.
Wir möchten diese Tat als markantes Beispiel nehmen, dass neonazistische Taten nicht vergessen werden dürfen. Aus diesem Grund fordern wir ein Denkmal für Patrick und alle anderen Opfer rechter Gewalt ein.

Es soll ein Mahnmal für die Auswirkungen menschenverachtender Ideologien sein, aber gleichzeitig eine Möglichkeit bieten, ein gesamtgesellschaftliches Klima herzustellen, welches solche Taten nicht mehr ermöglicht!